Maria Augusta von Trapp - "Botschafterin" für Salzburg

Im Kloster Nonnberg Salzburg verbrachte Maria Augusta Kutschera ihre Studienzeit, bis sie am 26.11.1927 Baron Georg von Trapp heiratete und den Grundstein für ihren musikalischen Siegeszug um die Welt legte. Noch heute ist „Sound of Music“ in aller Munde. Trotz ihrer neuen Heimat Amerika vergaß sie nie, wo ihre Wurzeln lagen.

Ihre Freunde (so begannen die Sammelbriefe: „Liebe Freunde!“) ließ sie all die Jahre an ihrem Familien- und Konzertleben teilhaben. Durch ihre Erzählungen wusste man, dass sie nicht nur in den USA als „Botschafterin“ für unser Heimatland tätig war. Im Gasthof Wastlwirt sind auf dem Infoterminal Briefe und Bilder zu besichtigen. Inhaltsverzeichnis

Kunstgewerbereise nach Österreich, Deutschland, Skandinavien & Italien, 40. Maturatreffen in Wien, Dreharbeiten in Salzburg, Reise Tirol, Rom & Neapel, Familienbericht

Liebe Freunde!Dezember 1964

Als ich von meiner herbstlichen Vortragsreise heimkehrte, hat mich eine große Überraschung erwartet: alles ist tief verschneit – zwei Wochen früher als je zuvor. Da fällt das Schreiben des Weihnachts-Sammelbriefes um so leichter. Es sieht übrigens so aus, als ob der heurige Winter gutmachen wollte, was der letzte zu wünschen übrig gelassen hat.

Wenn ich das vergangene Jahr überdenke, dann fing es eigentlich erst nach Ostern an, interessant zu werden. Ich freute mich ja schon die ganze Zeit auf den 7. Mai, der mich nach Wien rief zu meinem 40-jährigen Matura-Jubiläum. Da wir während des Winters unser Kunstgewerbe-Geschäft wesentlich vergrößert hatten, beschloss ich, meine Europareise dazu zu benützen, in Skandinavien, Deutschland, Österreich und Italien „Kunstgewerbliches“ aus Holz, Glas, Leder und Metall einzukaufen. Meine Rosmarie hat auf einmal Lust bekommen mitzufahren und wir haben beschlossen, schon eine Woche früher abzureisen um eine Wallfahrt nach Lourdes zu machen. Wir haben von hier aus einen kleinen offenen Wagen (lieferbar in Wien) bestellt, den ich dann wieder verkauft habe. Aber „Dieses Mal wie überhaupt, kommt es anders als man glaubt“ heißt es: am Tag der Abreise bin ich mit einem schweren Malariaanfall im Bett gelegen und Rosmarie musste alleine vorausfahren. Ich habe sie dann in Wien, noch etwas wackelig in den Knien, getroffen.

Es ist unmöglich in Worte zu fassen, was einem alles durch den Kopf und Herz geht, wenn man die alten Schulkameradinnen und Lehrerinnen wiedersieht, einige von ihnen zum ersten Mal seit der Matura vor 40 Jahren. Da waren wir nun, die meisten von uns Mütter und Großmütter und mit einem lachenden und einem weinenden Auge haben wir die Vergangenheit nochmals durchlebt, angefangen von den schönen Jahren im Pensionat. Dann kamen viele Geschichten von Krieg und Tod und Flucht und Herzweh. Nach schweigender Übereinkunft ist Politik nicht berührt worden aber ich habe mit wirklicher Erschütterung gespürt, dass die Hitlerzeit Wunden geschlagen hat, die nie mehr ganz verheilen werden.

Während ich mit alten Kameradinnen gefeiert habe, hat eine liebe Bekannte die Rosmarie, die Wien noch nicht kannte, ein bisschen herumgeführt. Es war mir eine tiefe Freude zu spüren, wie sehr sie sich zuhaus fühlte, obwohl sie doch eigentlich in Amerika aufgewachsen ist. Das schönste gemeinsame Erlebnis war das Hochamt in der Hofburgkapelle, zelebriert von einem Bischof und aufgeführt von den Wiener Sängerknaben und den Wiener Philharmonikern. Am letzten Abend waren wir noch im Burgtheater und haben Raimunds „Verschwender“ gesehen - einfach herrlich.

Der nächste Tag wird uns immer unvergesslich bleiben. Im strahlenden Sonnenschein fuhren wir im offenen Wagen über Salzburg nach München. Die Obstbäume waren in Blüte, die Wiesen und das erste zarte Buchenlaub so frisch grün, die Kirchenglocken läuteten zu späten Hochämtern und überall waren Menschen auf den Straßen. In Amerika hört man fast nie Glockengeläute und Fußgänger gibt es auch nur sehr selten. Als wir hier an der Autobahn außen an Salzburg vorbeifuhren und zum erstenmal wieder die Festung und den Untersberg sahen, sind uns die Tränen gekommen. Und jetzt muss ich aufpassen damit ich in meiner Rührung nicht zu langläufig werde und aus dem Sammelbrief ein kleines Buch wird. In München haben wir bei lieben Freunden übernachtet, das Auto eingestellt und sind mit dem Flugzeug nach Oslo geflogen. Dort hat uns der beste Freund vom Johannes erwartet und er, seine junge Frau und seine Eltern haben uns sehr geholfen die richtigen Plätze zu finden, wo wir dann wunderschöne Sachen eingekauft haben. Von Oslo gings nach Kopenhagen, wo uns Pfarrer Ballin, der treue Freund aus unserer Flüchtlingszeit, beim Einkaufen geholfen hat.

Zu Pfingsten waren wir wieder zurück in München und haben mit unseren Freunden, der Gretl und ihrem Mann, einen weiteren Pfingstspaziergang gemacht. Gretl hat ja bei uns in Stowe unser Kunstgewerbe-Geschäft geleitet und so gab´s viel zu erzählen auf beiden Seiten.

Von dort ging es nach Rosenheim und ins Heimatwerk Bogenhauser Thoma. Es hat sich schon so eingebürgert, dass wir dort immer eine Pause machen und mit neuen Dirndlkleidern ausstaffiert werden, wobei immer ein paar Spaziergänge in die herrliche Umgebung und gemütliche Plauderstunden am Familientisch für uns abfallen.

Die nächste Station war Salzburg. Werner und Erika hatten uns gebeten, ihre älteste Tochter Barbara, die drei Jahre bei Erikas Mutter verbracht hatte, mit nach Hause zu bringen. Wir verlebten eine schöne aber sehr hektische Woche bei Erikas Mutter, immer versuchend, an zwei oder drei Plätzen gleichzeitig zu sein weil einen natürlich alle Verwandten und Bekannten sehen wollten und wir aber zur selben Zeit ständig ans Einkaufen denken mussten. In Salzburg ist etwas sonderbares passiert. Die Hollywood Leute, die dabei war einen Film über die Trapp Familie zu drehen, haben gerade in Salzburg Außenaufnahmen gemacht. Ganz flüchtig haben wir den Produzenten und die Hauptdarsteller kennengelernt und als ich scherzhaft sagte, jetzt möchte ich am liebsten vor der Kamera über die Straße gehen, haben sie mich beim Wort genommen und Barbara, Rosmarie und ich können im Film gesehen werden, wie wir über den Domplatz gehen. Was den Film anbelangt, gestehe ich, da ist mir gar nicht so geheuer zumute. Ich habe immer wieder auf alle mögliche Weise versucht, mit den verantwortlichen Leuten zusammenzukommen weil ich ihnen den Kapitän von Trapp erklären wollte, der auf der Bühne nicht sehr gut dargestellt worden ist. Es war leider ganz ausgeschlossen - sie sind einfach nicht an der Wahrheit interessiert. Sie wollen ihre eigene Version drehen, haben sie gesagt. Und jetzt zittern wir, was Hollywood wohl aus der Trapp Familie machen wird.

Zum Abschied sind wir immer nach Maria Plain gefahren. Dann haben wir der Oma Auf Wiedersehen gesagt und nun ging´s über die Glocknerstraße nach Osttirol. Was mich halt immer wieder am meisten ans Herz rührt wenn ich durch die alte Heimat reise, das sind die blühenden Bergwiesen, die es hier nicht gibt. Im Mai sind sie ja am schönsten. In Osttirol haben wir wieder teils Freunde besucht, teils eingekauft, sind dann hinaus nach Innsbruck, wo wir gerade zurechtgekommen sind zum Fronleichnamstag. Da haben wir in der Früh die Fronleichnamsprozession in die Stadt gesehen und sind dann mit dem Auto hinaus ins Gebirge nach Eben zur heiligen Notburga gefahren, wo wir eine richtige Landprozession mit Böllerschießen mitgemacht haben. Auch das war wieder verknüpft mit dem Wiedersehen lieber alter Freunde. Schließlich ging es über den Brenner nach Südtirol, wo wir ein paar wunderschöne Tage auf einem alten Bergbauernhof verbrachten. Rosmarie und Barbara haben begeistert beim Heuen und im Stall mitgeholfen. Wir sind noch einmal herumgefahren zu den Herrgottschnitzern im Grödnertal und haben einen letzten Einkaufstag eingeschoben. An dem Abend bin ich zurückgekommen und hab feierlich gesagt: „Jetzt ist Schluss mit dem Geschäftlichen, jetzt kommt nur noch Ausrasten und Vergnügen.“ Und am nächsten Vormittag beim Abstieg vom Berg, schon in Sicht vom Auto unten im Tal, bin ich ausgerutscht im Geröll und hab mir den Fuß gebrochen. Da war sehr traurig, denn von jetzt an konnte ich nur noch auf Barbara und Rosmarie gestützt vom Auto ins Hotel und wieder zurück humpeln, während ich beiden aufschrieb, was sie sich ansehen sollten in Trient, Verona, Bologna, Florenz, Assisi, Rom und Neapel. In Rom hatte ich endlich den Fuß röntgenisieren lassen. Da sich ein Doppelbruch herausstellte, wurde ein Gipsverband angelegt. Weil ich aber sehr schnell heile, konnte er nach fünf Tagen schon wieder weggenommen werden. In Neapel haben wir dann das Schiff genommen und sind nach den Vereinigten Staaten zurückgefahren. Bei unserer Ankunft in New York haben uns Werner und Erika, Johannes und Agathe, Lorli und Hugh vom Schiff abgeholt. Es war ein Grüß Gott und gleichzeitig ein Auf Wiedersehen, weil zwei Tage später die Agathe mit ihrer Freundin nach Europa gefahren ist.

Bald nach unserer Heimkehr haben wir unsere jährliche Familienwoche, die letzte Woche im Juni, gehalten. Diesmal hatte ich 18 Enkelkinder beisammen und es war wunderschön. Gleich nachher hat der Johannes angefangen, Koffer zu packen. Er war eingeladen von einem seiner Professoren, an einer archäologischen Expedition teilzunehmen in Peru. Als er nach drei Monate zurückkam, hat er unglaublich viel interessantes und aufregendes zu erzählen gehabt. Die verlorene Stadt der Inkas haben sie zwar nicht gefunden im Dschungel aber dafür hatten sie viele Abenteuer, wobei Johannes fast ertrunken wäre, als sein Kanu in einer wilden Schlucht umkippte. Die herrlichen Farbbilder, die er mitbrachte, zeigen die wilde Schönheit dieses noch ganz unbekannten Teiles von Peru. Er hat kaum Zeit gehabt, uns ein bisschen zu erzählen, als er schon wieder Koffer packen musste, dieses Mal für die Armee. Sein erster Urlaub wird zu Weihnachten sein und wir freuen uns schon sehr auf ihn.

Ich habe Euch im letzten Sammelbrief von unserer neuen, organischen Gärtnerei erzählt. Es war ein großer Erfolg, die Gäste haben sehr stark den Unterschied gespürt zwischen unserem Gemüse und anderem.

Von den anderen Familienmitgliedern kommen von Zeit zu Zeit gute Nachrichten, es scheint auch allen gut zu gehen bei Maria in Neu Guinea, Dr. Wasner in Fiji und bei Hedwig in Hawaii.

Die wirklich große Neuigkeit habe ich mir bis zum Schluss aufgehoben: Zwischen Weihnachten und Neujahr wird es zwei neue Trapp-Enkelkinder geben. Darf ich Euch recht herzlich bitten um ein besonderes Gebet, dass bei Rupert und Henrietta das sechste und bei Lorli und Hugh das siebte Kinderl schnell, gut und glücklich auf die Welt kommen möge.

Wir haben beschlossen, den Sammelbrief heuer auch gleichzeitig als Weihnachtskarte gelten zu lassen und so wünschen wir Euch von Herzen ein

Gnadenvolles Weihnachten und ein
Glückliches Friedvolles Neues Jahr.

Eure Maria Augusta Trapp

burgenland-direkt.com
burgenland-direkt.com